Die aufgelisteten Alternativen gehen über die 'normalen' Voraussetzungen eines Grundschullehrers hinaus. Je nach Berufsfeld sind hier Kenntnisse gefragt, die entweder im Studium oder durch ein 'Hobby' erworben worden sind. Ein großes Interesse am jeweiligen Bereich kann diese Qualifikationen aber auch mit der Tätigkeit wachsen lassen.
I. Erwachsenenbildung
1. Privatschulen
Außer allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen in kirchlicher Trägerschaft, Freien
Waldorfschulen und Landerziehungsheimen gibt es Schulen in freier Trägerschaft des
Bundesverbandes Deutscher Privatschulen (VDP). (Ein Gesamtverzeichnis mit Kommentaren befindet sich im 'Handbuch Freie Schulen' von der
Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen (Hrsg.), Rowohlt Taschenbuch Verlag.)
Im VDP sind zum Beispiel auch die Wirtschafts- und Sprachenschulen vertreten, die sich in jeder
größeren Stadt befinden. Hier werden vor allem Lehrer für den Bereich Deutsch als Fremdsprache
angestellt. Für die zahlreichen von der Bundesagentur für Arbeit geförderten Kurse werden jedoch auch Lehrkräfte in den
Fächern Mathematik (Grundrechenarten, Dreisatz, Prozentrechnen, Sachrechnen etc.), Bewerbungstraining,
EDV und Fachsprache gesucht. Wer also eine kaufmännische oder gewerbliche Ausbildung nachweisen
kann, kann seine Kenntnisse als Fachlehrer weitergeben!
Der Unterricht in der Erwachsenenbildung stellt zwar einige Anforderungen, die einem Grundschullehrer
zunächst gewöhnungsbedürftig vorkommen, jedoch unterscheidet sich die Didaktik und Methodik in
ihren Grundzügen kaum. Auch Erwachsene lernen lieber 'handlungsorientiert', anschaulich und
abwechslungsreich. Der vielseitig geprüfte Grundschulpädagoge kann sehr viel dazu beitragen!
Da ich in diesem Bereich gearbeitet und dabei wertvolle Erfahrungen gesammelt habe, kann ich
eine Lehrtätigkeit an einer privaten Sprachenschule nur empfehlen. Vorsicht ist nur bei der
Klärung des Stundenhonorars geboten: unter ca. 15 € pro UE (45 min.) sollte auch ein Deutschlehrer
nicht arbeiten! Die oftmals nach einigen Wochen oder Monaten angebotenen Angestelltenverträge sind
ebenfalls genau zu prüfen.
2.Volkshochschule, Familienbildungswerk und Schulungsinstitute
Alle Einrichtungen der offenen Erwachsenenbildung bieten Möglichkeiten des
Unterrichtens. Da jedoch außer Deutsch spezielle Zusatzkenntnisse eine entscheidende Rolle
spielen, möge sich jeder Bewerber am Angebot seiner örtlichen Umgebung orientieren. Vielleicht
kann hier ein Hobby (Sprachen, Computer etc.) zum Beruf werden? Die Anzahl der Schulungsinstitute
für den Informationstechnischen Bereich (EDV) steigt ständig. Wer sich fit genug fühlt,
Kurse in Windows, Excel oder Internet zu geben, sollte hier seine Chance suchen. Einzelkurse
am Abend oder Vormittag sind auch ideal für einen Job neben dem eventuellen Zusatzstudium.
II. Erziehung und Bildung von Kindern und Jugendlichen
1. Kindergarten, Schulkindergarten etc.
Eigentlich sind Lehrer für die Tätigkeit eines Erziehers o.ä. nicht qualifiziert. Allerdings gibt
es auch hier Ausnahmen. Nach einem Praktikum kann sich durchaus eine hervorragende Eignung für
den Umgang mit der Altergruppe der Drei- bis Sechsjährigen herausstellen. In erster Linie sollte
aber der Wunsch/Wille entscheiden, mit kleinen Kindern zu arbeiten. In NRW wurden die Schulkindergärten aufgelöst und die dort tätigen Kräfte unterstützen nun die Grundschulen eines Gebietes. Eventuell sind über das Schulamt spezielle Stellen für die vorschulische Förderung zu besetzen.
2. Hort und Betreuungseinrichtungen/Ganztagsschulen
Es gibt mittlerweile eine Reihe verschiedener Betreuungsmodelle für Schulkinder, die zum
Teil einer Grundschule angeschlossen sind. Obwohl hier überwiegend ErzieherInnen arbeiten, lohnt
es sich, nach eventuellen Zusatzangeboten wie Hausaufgabenbetreuung oder Ausländerförderung zu
fragen. Auskünfte können die Stadt, das Schulamt oder die Gemeindeverwaltung geben. In NRW werden zum Schuljahr 2007/08 alle noch vorhandenen Horteinrichtungen in bestehende bzw. neu einzurichtende Ganztagsgrundschulen integriert. Je nach Konzept bieten sich vielfältige Möglichkeiten für eine Tätigkeit im Ganztagsbereich.
3. Nachhilfeinstitute und private Nachhilfe
Schlecht bezahlt, aber als Nebenverdienst willkommen sind Hausaufgabenbetreuungen in Nachhilfeinstituten.
Wer Zeit und Muße hat, kann sich auch einen eigenen Kundenstamm an Nachhilfeschülern schaffen.
Hier hat sicher jeder ehemalige Student seine eigenen positiven und negativen Erfahrungen gesammelt.
4. Musikschule, Sportverein etc.
Wer eine besondere Qualifikation im Bereich Musik besitzt oder den Übungsleiterschein im Fach
Sport gemacht hat, kann sich in diesem Bereich einen sicher ausbaufähigen Job suchen.
III. Tätigkeiten im sozialen Bereich
1. Kirchengemeinde
Es werden Teilzeittätigkeiten als Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache angeboten, wenn
ein Aussiedlerheim o.ä. angeschlossen ist. Im Kinder- und Jugendbereich gibt es meistens
nur einen hauptamtlichen, ausgebildeten Diakon oder Sozialpädagogen, ansonsten wird fast
nur mit ehrenamtlichen Kräften gearbeitet. Die Kirchen entlassen aufgrund rückläufiger
Kirchensteuereinnahmen mehr Mitarbeiter, als dass sie neue einstellen!
IV. Sonstiges
1. Schulbuchverlage und andere Medien
Angebote gibt es in den Bereichen Vertrieb und Lektorat. Der Einstieg ist oft nur über ein
Praktikum bzw. Volontariat möglich. Für die Arbeit im Lektorat sind sehr gute Computer- und
Rechtschreibkenntnisse erforderlich!
2. Zeitarbeitsfirmen
Über die Angebote der in jeder Stadt vertretenen Zeitarbeitsfirmen lässt sich ein Einstieg in
kaufmännische Bereiche auch ohne entsprechende Ausbildung bewältigen. Auch die Medien- und IT-Branche
greift häufig auf Zeitarbeitskräfte zurück. Ein Blick in die Stellenanzeigen der Tageszeitung lohnt für
einen ersten Überblick. Bei guter Eignung wird man nach einer Einarbeitungszeit nicht selten von
einem seiner Arbeitgeber angeworben.
3. Tourismus
Als AnimateurIn/BetreuerIn kann man in Kinderclubs auf Campingplätzen oder in Hotelanlagen
im europäischen Ausland arbeiten. Je nach Region ist auch eine (Wochenend-)Tätigkeit in deutschen
Hotels möglich. Die Bezahlung liegt bei ca. 8 € pro Stunde und 500 € pro Monat bei
Vollzeitbeschäftigung, kostenloser Unterkunft und Verpflegung.